Qualitativ vs. quantitaiv

Zahlen haben fast schon eine „magische“ Wirkung auf uns. Wir schenken ihnen Vertrauen und sie liefern uns exakte Aussagen.

Schön wäre es, denn im Detail liegen ein paar Tücken: Messen bzw. zeigen die Zahlen tatsächlich das, was sie vermeintlich vorgeben zu zeigen? Und mit welcher Zuverlässigkeit und Genauigkeit tun sie es?

Die Krux mathematischer Modelle und Berechnungen liegt darin, dass sie uns Ergebnisse mit Nachkommastellen liefern. Das aber ist lediglich eine Scheingenauigkeit, denn das Ergebnis kann nicht besser sein als das zugrundeliegende Modell. Wie sehr uns das überfordert, zeigt der aktuelle Umgang mit den Covid Statistiken. Von uns Laien werden Zahlen vogelwild interpretiert ohne das wir wirklich wissen, was sie aussagen, ohne das wir statistische Effekte aus Erfassung und Verarbeitung, wie z.B. durch die Änderung der Teststrategie oder das Meldeverhalten, berücksichtigen.

Wir sind in guter Gesellschaft. Seit langem bemängelt  Gerd Gigerenzer (Amazon Affiliate Link), dass die meisten Mediziner, medizinische Wahrscheinlichkeitsaussagen nicht interpretieren können. Wie soll das dann bei Covid anders sein?

Oder im Risikomanagement?

Die bekannteste Quantifizierung eines Risikos ergibt sich aus der versicherungmathematischen Formel als Produkt von Eintritswahrscheinlichkeit und potentiellem Schaden, dem sogenannten Erwartungwert.

Aber welche Aussagekraft hat der Erwartungswert?

Nun statistisch gesehen, ist das der durchschnittlich zu erwartende Schaden. Aber nutzt uns das was? Das ist in etwas wie die durchschnittliche Fiebertemperatur aller Krankenhauspatienten. Nehmen wir einmal an, ein Unternehmen würde aufgrund eines solchen Modells finanzielle Rückstellungen in Höhe des Erwartungswerts treffen. Bei Risiken die digital eintreten, d.h. sie treten entweder ein oder sie treten nicht ein, stecken wir in dem Dilemma, dass wir im einen Fall zu niedrige und im anderen Fall zu hohe Rückstellungen getroffen haben. Worst case ist beides existenzbedrohend, z.B. im Falles des Eintretens eines „schwarzen Schwans“ (Amazon Affilitate Link), also eines äußerst unwahrscheinlichen Ereignisses – z.B. einer Covid-Pandemie….


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Schon wieder Facilitation…

Hier ist ja zuletzt immer wieder von Facilitation die Rede gewesen. Und jetzt schon wieder. Denn heute ist im Projektmagazin mein Artikel: „Facilitation: eine Geheimwaffe im Projektmanagement?“ erschienen.

Mit Facilitation als Moderationsmethode/Einstellung gelangt man zu besseren Ergebnissen in Meetings, Prozessen und Entscheidungen. Ein eigenes LinkedIn-Learning Training dazu wird im Juni aufgezeichnet und unsere Masterclass ist auch am Start.

Im Artikel geht es darum, was Facilitation überhaupt ist, sie sie funktioniert und wie der Facilitation-Prozess aussieht. Weiter geht es um die Grundlagen der Facilitation und dann um deren Anwendung im Projektmanagement, denn deren gibt es genug und im Beispiel muss dann der openPM-Canvas ran.

Aber auch etwaige Fallstricke werden thematisiert.

Facilitation bietet auch im Projektmanagement viele Chancen und Möglichkeiten.

Facilitation ist vor allem ein Rollenverständnis. Prozess und Inhalte werden entkoppelt. Konflikte werden dadurch vorwiegend auf die Sachebene verlagert. Gleichzeitig ist der Facilitator der Gralshüter für methodisch sauberes Vorgehen und Zielorientierung.

Beiträge zur Facilitation auf schlossBlog gab es schon zur Genüge:

Und weitere werden bestimmt folgen…

Velocity, Earned Value und andere überbewertete Konzepte

Seit langem mal wieder ein reinrassiger Projektmanagement Beitrag. Jüngst bin ich über einen Artikel von Ron Quartel auf medium gestolpert: „Why Story Pointing Needs to Die

Wortwörtlich ins Auge gefallen sind mir vor allem die beiden Zitate in der Illustration:

„I may have invented points. If I did, I´m sorry now.“ – Ron Jeffries

„Velocity is killing agility!“ – Jom Highsmith

Vor allem das zweite spricht mir aus der Seele. Das Konzept der Velocity wollte mir nie so recht eingehen.

Also nicht, dass ich nicht verstanden hätte, worum es dabei geht und wie es funktioniert, aber Velocity-Betrachtungen laufen meinem Verständnis von Projekten fundamental entgegen.

Projekte sind einzigartige, komplexe Herausforderungen und Velocity zielt auf die Optimierung einer gleichmäßigen und prognostizierbaren Teamauslastung. Finde den Fehler!

Klar, wenn sich ein Projekt an das andere reiht, dann können wir nicht immer auf 120% fahren. Das macht uns kaputt. Aber die Vorstellung Projektfortschritt sei ein kontinuierlicher Prozess ist schon schizophren, denn sind nicht Disruption und sprunghafte Entwicklungen gerade in komplexen Projekten zu beobachten?

Nichts gegen eine Auslastungsoptimierung. Sie sichert Effizienz. In Projekten steht aber vor der Effizienz vor allem die Effektivität. Erreichen wir überhaupt, was wir erreichen wollen?

Effizient Scheitern ist keine Option!

Ich will das Konzept Velocity gar nicht in Frage stellen. Dafür gibt es sicher Anwendungsfälle, aber eher weniger in Projekten.

Bevor ich nun wieder in die Schublade des traditionellen Projektmanagements gesteckt werde, will ich dem schon vorab widersprechen. „Gutes“ Projektmanagement hatte immer schon agile Züge, denn nur mit einer solchen Einstellung kann man komplexen Anforderungen gerecht werden. Das hat aber nur bedingt mit der Umsetzung agiler Projektmanagement-Ansätze zu tun. Die großen Stärken von beispielsweise Scrum sind für mich, die Stärkung des Teams, Facilitation (in der Rolle des Scrum Masters), die intensive Einbindung der Anforderungsseite (Product Owner) sowie die Etablierung von Lernprozessen und Kommunikation. Diese Dinge helfen aber in jeder Form des Projektmanagements weiter und erhöhen unsere Erfolgswahrscheinlichkeit. Lediglich formale Implementierungen von Scrum sind wie alle halbherzigen Projektmanagementimplementierungen zum Scheitern verurteilt.

Überbewertete Konzepte gibt es aber auch im traditionellen Projektmanagement. Mein „Lieblingsbeispiel“ hier ist der Earned Value, also die laufende Quantifizierung des Projektfortschritts. Der bereits geschaffene Wert im Projekt wird kontinuierlich ermittelt. Ich halte diesen Ansatz für gefährlich. Er suggeriert, dass tatsächlich bereits ein Wert geschaffen wurde. Der Wert eines Projektgegenstandes ist mitunter aber digital zu sehen: Das fertige Produkt funktioniert oder funktioniert nicht. Zugegeben, die Argumentation ist stark vereinfacht. Vielleicht haben wir tatsächlich etwas gelernt oder es sind brauchbare Zwischenprodukte entstanden, gemessen an unserm Projektauftrag sind wir aber gescheitert. Als Gegenpol dazu gefällt mir hingegen die Idee des „Minimum Viable Product“, die zu einer Rückbesinnung und Ergebnisorientierung führt. Mit dem MVP ist ein Projekt zwar in der Regel noch nicht am Ziel, aber das Risiko des Scheiterns wird minimiert.

Alle Earned Value-Implementierungen, die ich in der Praxis gesehen habe, dienten – böse gesagt – auch eher der Befriedigung des Management Reportings, als dem Projekterfolg.

Facilitation explained „playfully“

Facilitation is something magical to make meetings, workshops, projects or processes successful. Usually blog posts here are in German so this is an exception. It is a translation of the previous post which is a summary of a small series I recently posted on Twitter and LinkedIn:

Definition: Facilitation is a form of moderation supporting a group to meet their goals in meetings, decisions, in problem solving or in processes.


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Facilitation spielerisch erklärt

Facilitation ist eine Zauberwaffe um Meetings, Workshops, Projekte oder Prozesse erfolgreich zu gestalten. In den letzten Wochen habe ich in einer kleinen Reihe auf Twitter und LinkedIn „spielerisch“ erklärt worum es geht. Hier die Zusammenfassung:

Definition:

Facilitation ist eine Moderationsform, die einer Gruppe erleichtern soll ihre Ziele in Meetings, Entscheidungen, bei der Problemlösung und in Prozessen zu erreichen.

Unser organisatorisches Umfeld ist häufig geprägt von hierarischen Strukturen, aber:

Diskussionen über Hierarchiegrenzen sind selten ergebnisoffen.

Warum wohl?


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Inspiration über dem Schreibtisch

André Claaßen hat sich auf Twitter darüber gefreut, das er Luhmanns Zettelkasten für sich entdeckt hat. Ein Artikel darüber samt einem Foto von Luhmann vor seinem Zettelkasten hängt seit einigen Jahren zur Inspiration über meinem Schreibtisch:

Ich arbeite übrigens aktuell mit meinem eigenen Zettelkasten. Nachdem ich nicht wie Detlef Stern gleich einen eigenen Zettelstore dafür entwickle, nutze ich der Einfachheit halber Evernote dafür. Dort entsteht für mich zum Eigen- und Projektgebrauch mein Methoden- und Werkzeugkasten. Natürlich besteht mein Fundus schon länger, aber zur besseren Organisation und Wiederfindbarkeit, werden die Inhalte gerade systematisch nach Evernote überführt.

Neben dem Luhmann-Artikel aus dem Jahr 2000(!) hängt übrigens eine weitere Inspiration: ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung zu finden war die schematische Darstellung des Sternekochs Ferran Adriá, wie er zu neuen Ideen kommt:

Völlig nebensächlich, ob man seinen Pfaden folgt, beeindruckend fand ich vor allem die systematische Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität. Bei einem Vertreter der Genusswelt hätte man so einen analytischen Ansatz nicht unbedingt vermutet, d.h. zu einem Vertreter der Molekularküche passt er sehr wohl.

Qualifizierung in der IT-Fitness Akademie

Wir haben ja schon mehrfach auf die aktuelle Qualifizierungsoffensive von Microsoft hingewiesen (PM für die COVID 19 Economy oder in den Higlights 2020). Gebündelt in der IT-Fitness Akademie gibt es eine ganze Reihe von zukunftsweisenden kostenlosen(!) Qualifizierungsangeboten.

Teil der IT-Fitness Akademie ist auch unser LinkedIn Projektmanagement-Training, d.h. der Lernpfad „Projektmanager:in werden„, denn mittlerweile haben wir ja noch weit mehr Kursangebote auf LinkedIn Learning.

Parallel zur IT-Fitness Akademie gibt es im Blog des Microsoft Newscenters auch einen Qualifizierungstalk in dem Isabel Richter Interviews über lebenslanges Lernen und die Veränderung in der Arbeitswelt in Zeiten der Pandemie führt.

Die Journalistin Katie Gallus empfiehlt dort schon aus ihrem beruflichen Interesse den Lernpfad zur Datenanalyst:in.

Unternehmer Jörg Rheinboldt bezeichnet sich selbst als „Dauerlerner“ und will sich nicht auf ein einzelnes Angebot festlegen, alle Pfade sind in seinen Augen zukunftssicher.

Die Social-Media-Beraterin Christiane Germann interessiert sich für Grafikdesign.

Der Futurologe Max Thinius empfiehlt gleich ein ganzes Bündel von Angeboten., u.a. unser Projektmanagement-Programm, denn „Projektmanagement ist die Mutter aller aktuellen Kompetenzen,“ so Thinius. Und weiter: „Den empfehle ich sogar gestandenen Projektmanager:innen.“

Danke für die Blumen.

Na, Lust bekommen, selbst in die Qualifizierungsoffensive einzuschwenken? Dann nur zu, denn ein Credo verbindet alle vier Interviewten: „Machen!“. Ohne „Machen!“ gibt es kein Lernen!

Home Office Professional

Ich habe mich ja hier schon als Home Office Professional geoutet. Auch ohne Corona hat das Home Office bei mir in den letzten Jahren rapide an Bedeutung gewonnen. Wollten früher Kunden ihre Dienstleister am liebsten 24/7 vor Ort hat sich das spätestens in Zeiten von Arbeitnehmerüberlassung geändert.

An meinem persönlichen Setup dafür feile ich permanent. Erst jüngst, nachdem ein Monitor seinen Geist aufgegeben hat, musste ich nachjustieren – und das Ergebnis ist geil: Ein 32 Zoll Monitor ist wirklich klasse. Dummerweise wird es mit zweien davon auf meinem Schreibtischaufsatz eng. Also erstmal nur einer und zwar der von Samsung (Amazon Affiliate Link)

Das generelle Setup habe ich hier und ihm Rahmen des #remotework beschrieben. Das stimmt auch noch so im großen und Ganzen. Bei meinen Rechnern schwanke ich je nach aktuellem Angebot meist zwischen Lenovo und Acer – aktuell Acer. Aber das ist ja auch nicht ideologisch, nur angebissenes Obst kommt mir nicht ins Haus!

(Disclaimer: Also Apple ist ja nicht böse, aber solange ich der Administrator bin, kommt mir keine Landschaft mit Apple- und anderen Produkten ins Haus.  Apple-Produkte sind zwar hübsch, aber solange nicht alles in der Apple-Welt passiert, es also Ausnahmen gibt, wird es bei mir keine Apple Welt geben. Punkt. Die Apple-Welt ist eigentlich so designt, dass es nur all or nothing gibt – zumindest sinnvollerweise.)

Kommen wir zur Hardware. Also zur richtigen Hardware. Ja, mein Schreibtisch ist von Ikea, aber gepimpt mit einem Aufsatz von Varidesk.

Der Varidesk (Amazon Affiliate Link) macht im Handumdrehen aus meinem (alten) Schreibtisch ein Stehpult und ist erstaunlich stabil. (Rezensionen zum Varidesk gibt es u.a. bei Gitte Härter oder Stefan List – wahrscheinlich sind wir alle über das gleiche Inserat in der Brandeins gestolpert.). Und ich liebe ihn und möchte ihn nicht mehr missen.

Neben einem „normalen“ Bürostuhl kommt insbesondere beim Varisdesk  mein Wobble Hocker zum Einsatz. Egal  ob beim ergonomischen Sitzen (und Wackeln 😉 ) oder beim Anlehnen am Stehpult: Dieses Teil ist hervorragend – aber zugegeben, ich wechsle regelmäßig zwischen Chefsessel und dem Wobble. Habe ihn einst in einem Kundenprojekt entdeckt und gleich am ersten Tag bestellt.

Das Whiteboard (Amazon Affiliate Link) im Vorraum spielt gar nicht mehr so eine große Rolle, seit dem ich mein deluxe-Flipchart von Neuland habe. Und über die technischen Gimmicks breiten wir besser die Decke des Schweigens. Das könnte eine eigene Serie geben: #Toys.

 

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Best of… Erklärvideo zum openPM Canvas

Über 2300 Aufrufe auf Youtube für das Erklärvideo für den openPM-Canvas.

Hinter dem openPM-Canvas verbirgt sich die Idee anhand eines vorgegebenen Rasters auf einer „Leinwand“ in grafisch, visueller Form ein Projekt samt seiner Besonderheiten und Restriktionen darzustellen. Es handelt sich dabei um eine Art Mischung aus Strukturierung, Visualisierung & Storytelling.

Der openPM-Canvas steht unter Creative Commons-Lizenz jedem zur Nutzung/Weiterentwicklung auf openPM zur Verfügung: https://www.openpm.info/display/openPM/Canvas

Dieser Beitrag erschien ursprünglich hier.

Aus der Zeit gefallen… Bloggen und so

Meike Leopold frägt in ihrem Aufruf zur Blogparade, ob Blogs noch relevant oder ein Medium von gestern sind. Wenn man so will ist dies mein Beitrag zu ihrer Blogparade.

Ich muss etwas ausholen:

Grundsätzlich würde ich differenzieren zwischen dem Bloggen als Aktivität und der Nutzung von Blogsoftware, wie WordPress.

WordPress ist erstmal ein Content Management System, das sich für alle möglichen Zwecke einsetzen lässt. Bloggen hingegen (jetzt kommt der naive Idealist) hat schon etwas von einer Philosophie: Kontinuierlich Inhalts- oder Meinungshäppchen auf einer eigenen Seite posten.

Anna Koschinksi hat mich entlarvt: Früher war alles besser. Autsch, nein, das war es natürlich nicht, aber ich vermisse in der Tat ein paar Facetten, die abhanden gekommen sind. Blogger waren früher eine Community, aber diese Community ist zersplittert und konkurriert mit anderen Social Media, egal ob Facebook, LinkedIn oder Xing. Foren sind weitgehend ausgestorben (auch wenn es Ausnahmen gibt).

Ist nun mal so. Aber was ich unabhängig davon attestieren möchte, ist das Diskussionen und Feedback oftmals auf der Strecke geblieben sind. Und vor allem im Business Kontext wird Meinung und Kommentar weitgehend gemieden. Achtung, Meinung! Lieber nicht äußern, als falsch. Und wenn, dann im Mainstream.

Anna würde jetzt entgegnen, dass das daran liegt, dass an der Zielgruppe, der Community vorbei geschrieben wird. Vielleicht hat sie Recht (was mich betrifft), aber ich bin der Überzeugung, dass das, was ich bemäkel ein kulturelles Phänomen ist, das ich ja nicht nur hier, sondern auch anderenorts empfinde. Vielleicht ein Resultat der Informationsüberflut allerorten.

Bin ich nun als Blogger aus der Zeit gefallen?

Ich mach das nun schon ein Weilchen. Meine Motivation hat sich wenig geändert. Entstanden ist der schlossBlog als Alternative zu einer statischen Website – also WordPress als Content Management System (siehe oben). Und dann musste ich mich erst finden, so wie ich es 2016 zu beschrieben habe: Was bloggst du?

Und ich blogge noch immer. Vieles, was ich anfangs gebloggt habe (und das Archiv sagt, dass das mit schlossBlog im Oktober 2006 losging), würde es heute nicht mehr zu einem Blogbeitrag schaffen, bestenfalls zu einem Tweed: Zweizeiler mit einem Link zu anderen Beiträgen im Web, aber damals gab es noch kein Twitter oder ich kannte es nicht. Grafiken und Bilder spielen hingegen eine weit größere Rolle wie früher. (Ha, dieser Beitrag – ganz ohne – ist anachronistisch!)

Ist das nun altmodisch?

Nun wir haben alle schon Plattformen gesehen, die erst gehypt wurden und dann verschwunden sind: StudiVZ, MySpace, Google+. Das Web ist vergänglich. Aber mein Content gehört mir. Also nicht, dass ich nicht gewillt bin zu teilen, das tue ich ja hinreichend, aber ich schaufle nur ungern „meinen“ Content in die Gräber anderer Leute. Wenn schon, dann schaufle ich mir mein eigenes Grab. Wieder autsch. Billiges Wortspiel.

Statt altmodisch würde ich sagen zeitlos.

Ich blogge also aus Egoismus. Verfolge eigene Zwecke und behalte die Hand auf dem Content. So werde ich unsterblich, bis jemand die Providerrechnung nicht bezahlt und die Domain abgeschaltet wird. Schon wieder Polemik! Aber so bin ich halt.

Einen wesentlichen Aspekt von Meikes Eingangsfrage habe ich bislang ausgeblendet: Die Frage nach der Relevanz.

Wie ich, glaube ich, schon ausgeführt habe ist bloggen für mich weiter relevant. Es hilft mir bei der Reflexion und bei der Auseinandersetzung mit neuen Themen (und alten, wie dieser Post zeigt).

Spannend ist die Frage nach der Relevanz für den Leser.

Da hat sich, glaube ich einiges geändert. Früher waren Blogs mehr eine eigenständige Marke, ein Kanal, den man verfolgt hat. Heute hat sich unser Medienverhalten grundlegend geändert, wir folgen weniger Kanälen als das wir einzelne Inhalte suchen. Wer abonniert heute noch RSS-Feeds (außer mir)? Ich versuche da von meinen Kindern zu lernen. Haben wir noch gegoogelt, suchen sie gleich auf Youtube. Sequentiell getakteter Medienkonsum ist eh out. Generationen waren konditioniert auf die 20:00 Uhr Tagesschau, but who cares?

Aber Achtung, jetzt wird es schizophren, Marken gibt es natürlich noch immer, aber weniger in der Blogosphäre, und – vermutlich – vergänglicher.

Und wir Blogger? Wir werden uns anpassen müssen. Heute ich, morgen du, liebe Anna, denn auch dein Blog wird irgendwann altmodisch, aus der Zeit gefallen, … Hat dir übrigens schon jemand gesagt, dass Blogs tot sind? Vielleicht scheintot. Und nicht jeder. Und mancher widersetzt sich. Unverbesserliche gibt es immer wieder. Wahrscheinlich bist du auch unverbesserlich 😉 In diesem Sinne…



bernhardschloss.de